Wir wollen, dass Ihr bleibt

Artikel im Westfalen-Blatt vom 7. Juli 2016 von Ralf Brakemeier

Modellprojekt ESIF jetzt online – Vernetzung in der Flüchtlingshilfe

Gut 500 Ehrenamtliche leisten unverzichtbare Hilfe bei der Betreuung und Integration der Flüchtlinge im Kreis Höxter. Ein Modellprojekt bündelt die unterschiedlichen Initiativen: Es heißt Entwicklung von Systemstrukturen zur Integration von Flüchtlingen, kurz ESIF.

Treiben die Bündelung der zahlreichen Flüchtlings-Initiativen im Kreis Höxter voran: Projektleiter Ulrich Fraune (hinten von links) und Dr. Claudia Gehle mit ihren Mitarbeitern Friedhelm Blase (vorne von links) Andzelika Kassan und Heike von Brook.    Foto: Ralf Brakemeier

Hinter diesem etwas sperrigen Namen verbirgt sich ein von der Initiative »Land auf Schwung« mit 380 000 Euro gefördertes Projekt. Die Zielsetzung: Bündelung der zahlreichen Initiativen im Kreis Höxter, die sich um die Integration der Flüchtlinge bemühen. Mit im Boot sind dabei neben den zehn Städten, dem Kreis Höxter, den Kirchen und den Wohlfahrtsverbänden auch Unternehmen, Vereine und die zahlreichen Gruppen von Ehrenamtlichen. Ulrich Fraune, stellvertretender Leiter der VHS Höxter-Marienmünster, hat das Konzept entwickelt und leitet nun gemeinsam mit Dr. Claudia Gehle ESIF: »Jeder versucht es für sich und hat ja auch Erfolg. Aber wir könnten viel effizienter sein.« Nach der Kontaktaufnahme mit zahlreichen Gruppierungen und einigen kreisweiten Runden Tischen, die begonnen haben, die Kräfte zu bündeln, ist das neue Portal www.esif-hx.de online.

Hier gibt es Informationen und Ansprechpartner, aber auch ganz konkrete Hilfe. Etwa im Bereich der häufig gestellten Fragen (FAQ), wo Grundsätzliches erörtert und geklärt wird. Friedrich Blase ist beim ESIF-Team nicht nur für den Kontakt mit den Städten Nieheim, Steinheim und Bad Driburg, sondern auch für die Technik zuständig: »So wollen viele Helfer wissen, ob sie bei ihrer Tätigkeit auch unfallversichert sind. Wir können ihnen online mitteilen, sie sind es.« Projektleiterin Dr. Claudia Gehle erklärt den Hintergrund: »In nur zehn Jahren hat der Kreis Höxter 10 000 Einwohner verloren. Besonders stark ist der Bevölkerungsrückgang in der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen. Hier können uns die 2670 Flüchtlinge im Kreis helfen, wir wollen, dass die neuen Mitbürger bleiben und auch eine Perspektive haben.«

Der Austausch von Informationen, gegenseitige Unterstützung, das Herstellen von Kontakten und Hilfe bei konkreten Fragen. All das bietet ESIF Höxter. Nach einigen Monaten der Vorbereitung, Gespräche und Vernetzung stellen die Projektleiter Ulrich Fraune und Dr. Claudia Gehle mit ihren Mitarbeitern Heike von Brook, Andzelika Kassan und Friedhelm Blase die Kontakte zwischen den zahlreichen Gruppen, die im Kreis Höxter Flüchtlingen ihre Hilfe anbieten, her. Schon dreimal haben sich auf Initiative des einmaligen Modellprojektes kreisweite Runde Tische mit Beteiligten aus allen Städten des Kreises zusammengefunden.

Auf der neuen Internet-Plattform werden weiter alle Informationen gebündelt. Hier wird im Rahmen einer Ehrenamtsbörse Hilfe auch in Form von Sachangeboten vermittelt, erfolgreiche Beispiele beruflicher Integration geschildert, wichtige Fragen beantwortet oder Kontakte hergestellt. »Laufend und tagesaktuell werden wir versuchen, alle wichtigen Informationen weiterzugeben,« sagt Friedhelm Blase. Aktuelle Sprachkursangebote finden sich hier ebenso wie Angebote aus dem Arbeitsmarkt oder für eine Ausbildung. Auch die Möglichkeit gesellschaftlicher Teilhabe an Kultur- und Sportangeboten kann hier abgerufen werden Als Teilprojekt der Initiative »Land auf Schwung« sieht sich ESIF als Ergänzung zu den Trägern wie Jobcenter, Arbeitsagentur oder Kommunales Integrationszentrum.

Das Ziel ist klar: Den Flüchtlingen in ihrer jetzigen Lage helfen, ihnen aber auch eine Bleibeperspektive für die Zukunft im Kreis Höxter bieten. Aufgrund des demografischen Wandels fehlt es überall an Fachkräften. »Vor allem die junge Generation von 20 bis 40 Jahren hat sich von ehemals 46 000 auf nur noch 30 000 reduziert«, berichtet Dr. Claudia Gehle. Hier könnten die überwiegend jungen Flüchtlinge sich selbst und auch dem Kreis Höxter helfen. www.esif-hx.de

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