Kein Tag zum Feiern

Gedenken an den 70. Jahrestag zur Befreiung vom Nationalsozialismus

 

Rainer Schwiete (VHS), Fritz Ostkämper (Pins-Gesellschaft), Geschichtslehrerin Corinna Neumann und Autor Ernst Würzburger haben im Pins-Forum die Gedenkveranstaltung gestaltet. Foto: Ingo Schmitz

Artikel aus dem Westfalen-Blatt vom 11. Mai 2015 von Ingo Schmitz

Aus Anlass des Kriegsendes vor 70 Jahren hat es am Freitag eine Gedenkveranstaltung im Pins-Forum in Höxter gegeben. Im Mittelpunkt hat das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus gestanden. Die Stimmung unter den Zuhörern war gedrückt und hoch emotional. »Es ist kein Tag zum Feiern«, stellte VHS-Leiter Rainer Schwiete in seinen Begrüßungsworten auch im Namen von Fritz Ostkämper als Vorsitzender der Pins-Gesellschaft fest.


Ernst Würzburger bekam in der Veranstaltung die Gelegenheit, sein jüngstes Werk zur Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte vorzustellen. Der Autor selbst zeigte sich sehr ergriffen von den Greueltaten und Schicksalen, für die die Nationalsozialisten verantwortlich sind. Und er gab diesen Kriegsverbrechern ein Gesicht: Er stellte die Lebensgeschichte des in Höxter geborenen Hans Schmidt vor, der später Adjudant im Konzentrationslager Buchenwald war und 1951 als letzter Kriegsverbrecher hingerichtet wurde.
Der ehemals als Journalist tätige Würzburger berichtete, dass er sich seit 30 Jahren mit der Geschichte Höxters befasse. »Damals stand unweit des Pins-Forums das Grabmal von Hans Schmidt. Für Jacob Pins interessierte sich damals noch niemand. Heute ist der Grabstein verschwunden, aber die Erinnerung an den jüdischen Künstler Pins bleibt erhalten«, betonte Würzburger. Er erinnerte an die Beerdigung von Hans Schmidt 1951 in Höxter, die damals zu einer politischen Demonstration genutzt worden sei
– allerdings nicht von Gegnern des Nationalsozialismus, sondern von Mitgliedern einer NSDAP-Nachfolgepartei.
Großes Polizeiaufgebot sei damals in Höxter notwendig gewesen, schilderte der Autor die Umstände. VHS-Leiter Rainer Schwiete betonte, wie wichtig es sei, ein Zeichen gegen das Verbrechen zu setzen. »Die Nazi-Verbrechen sind nicht irgendwo passiert, sondern mitten in Deutschland, und mitten in Höxter«, machte Schwiete die Betroffenheit deutlich. Es sei Aufgabe der heutigen Generation und auch der nachfolgenden, an das Unfassbare zu erinnern. Schwiete ging auf die Rede des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 40-jährigen Gedenken an das Kriegsende ein. Er habe 1985 an die jungen Menschen appelliert:
»Lassen Sie sich nicht in Hass und Feindschaft treiben, sondern lernen Sie, miteinander zu leben.« Dieser Appell habe auch heute noch größte Aktualität. Als Vertreter der jungen Generation nahmen Schüler der Klasse 9c des König-Wilhelm-Gymnasiums in Höxrter an der Gedenkstunde teil. Sie gaben einigen Opfern des Konzentrationslagers Buchenwald eine Stimme und einen Namen. Zum Schluss der Gedenkfeier wurden im Gedenken an die Opfer Blumen nieder gelegt.

 

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