Adventslesung mit Margot Käßmann

„Qualität des Herzens entdecken“

Theologin Margot Käßmann interpretiert vor 500 Zuhörern die Weihnachtsbotschaft neu

Artikel in der Neuen Westfälischen vom 8. Dezember 2014, Text und Foto von Burkhard Battran


Margot Käßmann vor dem stimmungsvoll beleuchteten Altar der Höxtraner Kilianikirche. Foto Neue Westfälische

Es war der Höhepunkt im diesjährigen Vortragsangebot der Volkshochschule. Vor 500 Zuhörern hat die aus Marburg stammende evangelische Theologin Margot Käßmann (56)am Samstag in der Höxteraner Kilianikirche eine adventliche Lesung gehalten.

„Wir sind wirklich sehr stolz und glücklich, dass es uns gelungen ist, Margot Käßmann für diesen Termin zu gewinnen. Diese Lesung ist eine von nur drei Veranstaltungen, somit ist das schon ein recht exklusiver Abend heute“, sagte der Leiter der Volkshochschule Höxter-Marienmünster, Rainer Schwiete. 

Die Kikianikirche war ausverkauft und stimmungsvoll geschmückt. Foto Rainer Schwiete
 
In der stimmungsvoll illuminierten Kilianikirche stimmte Margot Käßmann mit Anekdoten, Gedichten und Geschichten aus eigener und fremder Feder die Zuhörer auf das nahende Weihnachtsfest ein. „Weihnachten heißt, dass wir die Qualität des Herzens neu entdecken, darauf kommt es an“, sagte Käßmann.

Insbesondere nahm Käßmann auch zur aktuellen Asylproblematik Stellung. „Wir müssen die Türen für Flüchtlinge offen halten. Flüchtlinge sind Botschafter des Unrechts in der Welt“, sagte Käßmann.

Dann erzählte sie eine humorvolle Parabel, in der sie zur Toleranz aufforderte: An einem Abend im Advent hatten rechte Horden „ ,Ausländer raus’ und ,Deutschland den Deutschen’ auf die Mauern der Stadt geschrieben. Am nächsten Morgen begannen plötzlich alle ausländischen Dinge und Produkte Deutschland zu verlassen. Die Geschichte endet schließlich damit, dass im ganzen Land nur noch ein paar Tannenbäume, Äpfel und Nüsse übrig blieben.

„Die Weihnachtsgeschichte ist eigentlich sehr real, und Maria, Josef und das Christuskind sind in der Welt, um uns den Rückweg zu Toleranz und Mitmenschlichkeit zu zeigen“, interpretierte Käßmann die Weihnachtsgeschichte auf eine neue Art.

Musikalisch mitgestaltet wurde die Lesung durch den Siegener Gitarristen Werner Hucks (52), der bekannte Weihnachtslieder dezent verjazzt, neu interpretierte.

Kongeniales Zusammenspiel mit Gitarrist Werner Hucks. Foto Rainer Schwiete

„Wir haben heute einen Abend mit vielen Impulsen zum Nachdenken, Weiterdenken und Umdenken erlebt“, fasste Gastgeber Pfarrer Reinhard Schreiner den Abend zusammen, an dem auch Kopten-Bischof Anba Damian teilgenommen hatte.

VHS-Leiter Rainer Schwiete (links) und Pfarrer Reinhard Schreiner (rechts) mit den Protagonisten Margot Käßmann und Werner Hucks. Foto Neue Westfälische

Am Nachmittag hatte Margot Käßmann das koptische Kloster in Brenkhausen und das Corveyer Weltkulturerbe besucht. Margot Käßmann: „Bischof Anba Damian bin ich 1998 in Zimbabwe erstmals begegnet. Es war auch im Advent, aber es herrschte eine tropische Hitze und wir haben uns darüber unterhalten, wie wir in Deutschland den Advent für unsere Umgebung passend inkulturiert haben.“

Nach der Lesung signierte Margot Käßmann Bücher und sprach mit den Besuchern. Foto Neue Westfälische

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