Neuauflage „Höxter: Verdrängte Geschichte“ vorgestellt

Im Rahmen einer gut besuchten VHS-Veranstaltung stellte der Höxteraner Autor Ernst Würzburger die überarbeitete und um ein Kapitel ergänzte Neuauflage seines Buches „Höxter: Verdrängte Geschichte – Zur Geschichte des Nationalsozialismus einer ostwestfälischen Kreisstadt“ vor.

Autor Ernst Würzburger mit der Neuauflage seines Buches.

Mit den denkwürdigen Jahrestagen – 100 Jahre Beginn des Ersten Weltkriegs, 75 Jahre Beginn des Zweiten Weltkriegs – bestehe auch auf lokaler Ebene ein besonderer Anlass des Erinnerns und Auseinandersetzens, so Rainer Schwiete, Leiter der VHS Höxter-Marienmünster, bei seiner Begrüßung. Bürgermeister Alexander Fischer wies darauf hin, dass mit dem Buch eine Lücke der Geschichtsschreibung für Höxter geschlossen worden sei. Erklärt werde, wie die nationalsozialistische Diktatur in Höxter Fuß fassen und sich entwickeln konnte. Dabei habe Würzburger sehr detailliert beschrieben, „welche fürchterlichen Auswirkungen dieses Regime in Höxter gezeitigt hat. Insbesondere die Darstellung des Schicksals der jüdischen Bevölkerung war ihm eine Herzensangelegenheit.“
Zudem werde auch der Frage nachgegangen, wie mit der nationalsozialistischen Zeit in Höxter umgegangen wurde. Daher auch der Titel „Verdrängte Geschichte“. „Denn eine tatsächliche Aufarbeitung fand nicht statt“, so Bürgermeister Fischer weiter, „sondern ist letztendlich erst mit seinem Werk sowie weiteren in der Zeit um 1990 entstandenen Publikationen geschehen.“ Abschließend dankte Bürgermeister Fischer dem Autor für die initiierte Neuauflage sowie denen, die durch ihre finanzielle Unterstützung dazu beigetragen haben, dass das Werk neu erscheinen konnte. Gefördert wurde die Neuauflage insbesondere durch die fünf Fraktionen der im Rat der Stadt Höxter vertretenen Parteien (CDU, SPD, UWG, FDP, Bündnis 90/Die Grünen) sowie der Volksbank Paderborn-Höxter, die für den Unterricht an der Realschule und des KWG 70 Exemplare zur Verfügung stellen wird.

(v.l.): Rainer Schwiete, Ernst Würzburger, Nele Weller und Bürgermeister Alexander Fischer.
© Fotos: VHS Höxter-Marienmünster

Im ersten Teil seines Vortrages ging Ernst Würzburger zunächst auf die Schwierigkeiten ein, auf die er bei den Recherchen zur Erstausgabe Ende der 80-er Jahre von Seiten der Verwaltung und auch der CDU-Mehrheitsfraktion gestoßen war. Dass die damaligen Verantwortlichen der Stadt „aufgrund der Unausgewogenheit einzelner Passagen, […] der zum Teil unsachlich formulierten Kritik an handelnden Personen und der unzureichenden Sensibilität für das schwierige Thema der Vergangenheitsbewältigung des Nationalsozialismus in Höxter eine offizielle Identifizierung der Stadt Höxter mit dieser Arbeit, sei es durch Gewährung eines Druckkostenzuschusses oder in sonstiger Weise, nicht für vertretbar“ hielt, wunderte den heutigen Ehrenbürger Jacob Pins in einem Brief an Ernst Würzburger nicht: „Ich halte – wie Sie ja wohl wissen – Ihre Arbeit für enorm wichtig, schon um die fürchterlichen Geschehnisse des Hitler-Regimes nicht in Vergessenheit fallen zu lassen. […] Ich bin überzeugt, dass nicht alle alten Höxteraner Ihnen bei Ihrer Forschung helfen wollen.“ Die damaligen Befürchtung, dass „neuen Gräben aufgerissen werden und die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit durch unsachliche Passagen des Buches blockiert werden“ habe sich als völlig unbegründet erwiesen.
Die KWG-Schülerin Nele Weller stellte dann die Entrechtung und Verfolgung der Juden in Höxter am Beispiel des jüdischen Arztes Dr. Frankenberg dar. Ausschnitte des Films „Der Tag an dem sie kamen“ des Boffzener Filmemachers Jan Schametat dokumentierten dann anschaulich die letzten Kriegstage im Bereich zwischen Lauenförde und Corvey, wobei auch Zeitzeugen zu Wort kamen.
Abschließend ging Würzburger auf das zusätzliche Kapitel „Von der Vergangenheitsbewältigung zur Erinnerungskultur“ ein, in dem er auch auf die positiven Veränderungen im Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus in Höxter einging. Beispiele dafür seien die Etablierung der Jacob-Pins Gesellschaft, die neben der Präsentation des künstlerischen Schaffens von Jacob Pins das Andenken an die jüdischen Bürger Höxters bewahre, oder die Verlegung der Stolpersteine.
Das Geleitwort zu dem Buch steuerte Höxters Ehrenbürger Prof. Dr. Klaus Töpfer bei. Dort heißt es abschließend: „Dieses Buch von Ernst Würzburger ist in der neuen Auflage überfällig. Es berichtet über Vergangenheit und macht diese fruchtbar für das Handeln eines jeden Einzelnen der Höxteraner Bürgerinnen und Bürger in unserer Zeit. Diese Wahrheit, diese verdrängte Geschichte ist
somit nicht nur zumutbar, sondern in ihrer Wirkung auf die uns heute gestellten Probleme von höchster Wichtigkeit. Die Botschaft ist: mich immer wieder persönlich in der Verantwortung sehen, entsprechend handeln.“


Das Buch „Höxter: Verdrängte Geschichte“ (312 Seiten, 43 Abbildungen) ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag Jörg Mitzkat in Holzminden erhältlich. (www.mitzkat.de) Vorstellung des Buches „Höxter: Verdrängte Geschichte“

 

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