Von den Profis im Wald lernen

Wie Hobbysäger bei VHS und Landesverband Lippe den sicheren Umgang mit der Motorsäge üben

- Neuer Kurs im Herbst -

Artikel: NEUE WESTFÄLISCHE vom 28.10.2013 - VON SIMONE FLÖRKE

 

Jürgen Brandt klappt das Visier seines Schutzhelmes runter und setzt die Ohrenschützer auf. Ein Zug am Startseil der Motorsäge. Langsam bewegt er sich rund um den Stamm der Fichte, schneidet vertikal und horizontal Kerben in den Fuß des Baumes, so dass der nicht mehr rund, sondern fast viereckig ist. Sven Christiansen schaut ihm dabei über die Schulter, gibt kurze Tipps, geht rundum mit.

Konzentriert und ruhig arbeitet Brandt, setzt die unterschiedlichen Schnitte mit der Motorsäge. Ein kleiner Keil und ein Stöckchen kommen zum Einsatz. Dann fällt die hohe Fichte mit einem lauten Krach. Genau auf den Punkt, wo Brandt sie liegen haben wollte. Der Höxteraner ist zufrieden. "Mein erster Baum", sagt er. Auch Ausbilder Sven Christiansen nickt anerkennend. Das passte. Sechs Stunden dauert der Praxiskurs im Wald, den die Volkshochschule Höxter-Marienmünster erstmals in Kooperation mit dem Landesverband Lippe anbietet: Zum sicheren Umgang mit der Motorsäge.

Denn: "Es ist eine lebensgefährliche Arbeit, bei dem dreimal so viele Unfälle passieren wie auf einer normalen Baustelle", erklärt Ausbilder Thorsten Mühlenhof, mit einer Menge Erfahrung im Wald ausgestattet. 250 Lehrgänge hat der Forstwirtschaftsmeister vom Landesverband Lippe schon durchgeführt - mit den Kollegen in den vergangenen zehn Jahren mehr als 7.000 Teilnehmer vom Grund- bis zum Aufbau-Lehrgang oder in Carving-Workshops (Schnitzen mit der Motorsäge) geschult.

Seitdem es in einem Jahr mehrere tote Brennholz-Selbstwerber NRW-weit im Wald gegeben hatte, wird von vielen Förstern und Waldbesitzern ein Lehrgangsnachweis für den Umgang mit der Motorsäge und zur Sicherheit im Wald gefordert, bevor die Hobbysäger in die Schonungen gelassen werden. "Schlimm sind die Leute, die man nicht belehren kann. Weil sie seit 30 Jahren ihr Holz selbst machen - und meinen, sie machen alles so richtig", sagt Mühlenhof.

Die Teilnehmer dieses Lehrgangs haben ganz unterschiedliche Vorkenntnisse. Was sie eint, ist die Schutzkleidung: Schnittschutzhose und Schuhe mit Schnittschutz auf den Laschen, dazu Helm, Handschuhe und Gehörschutz. Nach dem theoretischen Teil folgt nun die Praxis, wobei Mühlenhof, Christiansen und ihr Kollege Uwe Schröder die Gruppe aufteilen: Mühlenhof erläutert die Instandsetzung der Motorsägenkette und das Schärfen, die beiden Forstwirte kümmern sich um die verschiedenen Schnitttechniken, die vieles beim Fällen, Entasten und Zerteilen des Baumes erleichtern. Und Gefahren minimieren.

"Schneiden und gucken, schneiden und gucken", diese Worte wiederholt Christiansen immer wieder. Denn: "Es geht darum, abends wieder heil bei der Familie zuhause anzukommen. Und nicht darum, wer hier die meisten Bäume fällt." Das Auge schulen - das lernen die Teilnehmer. Vom Blick den Stamm hinauf, bevor überhaupt irgendein Schnitt am Baum angesetzt wird, bis zum Blick auf die Lage des gefällten Stammes, der in handliche Stücke zerteilt wird: "Wo ist Druck, wo Zug auf dem Stamm", fragt Christiansen den Bergheimer Teilnehmer Christian Kleine.

Der schaut zunächst, wo der Stamm auf Spannung liegt und setzt dann passend dazu die Motorsäge mal von oben, mal von unten an. Damit sie sich nicht im Holz verklemmt, die Holzfaser nicht ausreißt und das Stamm-Ende sanft auf den Waldboden fällt. Christiansen schaut den nächsten Teilnehmer an und deutet auf eine weitere Fichte, die mit einem grünen Strich markiert ist: "Du - den Baum". Die Praxis macht's.

Das weiß auch Teilnehmer Dietmar Warnecke: "Ich bin seit 20 Jahren beim THW aktiv, habe auch dort schon Bäume gefällt. Aber die neuen Sicherheitsvorschriften, die neuen Säge- und Fälltechniken zu lernen und die richtige Anleitung zu bekommen, das ist mir ganz wichtig", sagt der Bödexer. "Ich war schon früher zum Holzmachen im Wald", erklärt auch Reiner Weiße, "meistens waren die Bäume bereits von den Waldarbeitern gefällt worden. Oder wir haben nur das Kronenholz aufgearbeitet." Als Hobby-Holzmacher möchte er nun dazu lernen, die Arbeitsabläufe der Profis kennenlernen. Denn daheim in Albaxen wollen die Öfen mit gutem Buchenholz befeuert werden.

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Zum Video Motorsägen-Lehrgang (2 Minuten Länge)

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