Kritik des Steuerzahlerbundes ist unbegründet

Es wäre bedauerlich, wenn die gute Arbeit der Volkshochschule und die hohe Akzeptanz in der Bürgerschaft durch eine teilweise fragwürdige Interpretation und verkürzte Darstellung  negativ verzerrt würden.

Im Sommer 2011 hat der Bund deutscher  Steuerzahler (BdSt) die Volkshochschulen in OWL befragt.Ausgangspunkt waren Erhebungen über öffentliche Zuschüsse, Teilnehmerzahlen, Kostendeckungsgrad etc. Im ausführlichen Ergebnis einer Veröffentlichung des BdSt vom 15.09.2011 heißt es:

„Die Kosten, die die Volkshochschulen bei den Kommunen verursachen, sind höchst unterschiedlich. Das hat eine Umfrage des BdSt ergeben. Ursache dafür sind vor allem die Kurse, die angeboten werden. So sind  insbesondere Schulabschlüsse sehr kostenintensiv. Mit ihnen erfüllen die   Volkshochschulen jedoch eine ihrer Hauptaufgaben.

So müssen einige Volkshochschulen Miete für die Räume bezahlen, in denen die Kurse stattfinden. Andere haben eigene Räume und wieder andere veranstalten ihre Kurse ohne Mietkosten in Schulen oder anderen städtischen Räumen ihrer Kommune. Auch bei der Organisationsform gibt es bedeutende Unterschiede. Längst nicht jede Kommune hat ihre eigene Volkshochschule. Viele Städte und Gemeinden haben sich zu sogenannten Zweckverbänden zusammengeschlossen. Doch mal gehören diesem Zweckverband nur zwei Städte an, mal sind es mehrere.

Diese Zweckverbände sparen Organisationskosten. Dennoch heißt das nicht, dass sie generell weniger Geld für ihre Volkshochschulen ausgeben, als Kommunen mit einer „eigenen“ VHS. Der Grund ist das Angebot, das unterschiedlich viel Geld verschlingt. So bieten längst nicht alle Volkshochschulen jeden Schulabschluss an. Diese Abschlüsse sind aber besonders kostspielig, da sie ganz besonderen Anforderungen entsprechen müssen. Zudem beteiligen sich einige Volkshochschulen an den offenen Ganztagsschulen, andere führen Integrationskurse durch, wieder andere bieten berufliche Eingliederung an und die nächsten haben alles im Programm. Das verursacht hohe Kosten. Die Einrichtungen kommen damit aber ihrem Bildungsauftrag gemäß dem Weiterbildungsgesetz NRW nach. Die Ausgaben für diese Kurse sind also mehr als gerechtfertigt.“

Doch es gab auch kritische Hinweise zum Programmangebot:

„Kritisch sieht der BdSt hingegen Sportangebote oder Schminkkurse und Farbberatungen. Denn nach Ansicht des Verbandes haben diese Aufgaben nichts mit dem Bildungsauftrag der Volkshochschulen zu tun. Viel zu viele überflüssige Kurse, mit denen Steuergelder verschwendet werden.“

Bedauerlicherweise ist jedoch vornehmlich dieser kritische Tenor in einigen Medien aufgegriffen worden. So kam es zu einigen aufreißerischen Titeln in den Medien, z.B. „Clownereien an der Volkshochschule“ NW vom 12.10.2011 oder „Scharfe Kritik an Volkshochschulen“ im WB vom 12.10.2011.

Für die VHS Höxter-Marienmünster liegt der Schwerpunkt seit Jahren in der beruflichen Bildung und auch bei der Integration - und das mit großem Erfolg. Bei über 500 Veranstaltungen, die jährlich insgesamt angeboten werden, liegt der kritisierte Bereich bei unter 10 Kursen. Hier wiederum sollte zunächst erst mal nach Inhalten und nicht allein nach Titeln geschaut und bewertet werden. Das Weiterbildungsgesetz lässt durchaus Ermessungsspielräume und der Bildungsbegriff unterliegt einer subjektiven Bewertung.

Darüber hinaus werden mit dem Angebot aber auch Teilnehmerwünsche erfüllt. Oft sind es sogar Sportvereine, die auf uns zukommen und über einen gemeinsamen „Schnupperkurs“ neue Teilnehmer akquirieren möchten. Gerade im ländlichen Bereich ist die Vielfalt des Bildungsangebots insgesamt häufig auf die VHS beschränkt. Konkurrenz gibt es kaum, weil sich mit Bildung i.d.R. kein Geld verdienen lässt.

Letztendlich versuchen wir gerade diese „kritisierten“ Kurse so zu kalkulieren, dass am Ende Überschüsse erzielt werden, die dazu eingesetzt werden können, um andere Defizite auszugleichen.

Die einseitige Kritik ist in Zeiten in denen eine mangelnde Ausstattung der Bildung bundesweit beklagt wird geradezu kontraproduktiv.

Die VHS Höxter-Marienmünster ist ISO-qualitätszertifiziert und seit Jahrzehnten bewährt. Letztlich stimmen die Bürger mit den Füßen ab, ob ihnen das Angebot gefällt. Im Jahr 2009 wurde die VHS Höxter-Marienmünster im Vergleich zu den andern 140 VHSen in NRW am besten nachgefragt.


Rainer Schwiete, Leiter der VHS Höxter-Marienmünster 

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