Wenn das Berufsleben greifbar wird

Flüchtlinge: Praktikant und dann?

18 Asylbewerber haben bei zehn Firmen im Kreis Höxter Dreimonatspraktika absolviert. Doch gesetzliche Regeln hindern sie daran, langfristig im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Moustapha Karabert aus Mali hat während sein Praktikum bei der Firma Egger absolviert.   Foto: Bögelein

Wirtschaft und Politik skandieren immer wieder: »Wir haben einen Fachkräftemangel«. Flüchtlinge könnten diesen ausgleichen.Doch während die Politik nur Förderprogramme auflegt setzen sich Volkshochschulen, Arbeitsagenturen, Jobcenter und hiesige Unternehmen dafür ein, Asylsuchenden durch Qualifizierung zu integrieren. Doch einigen der arbeitswilligen Gästen fehlt es an Perspektiven, beruflich voranzukommen, wie Moustapha Karabert.

Der 21-jährige Flüchtling aus Mali arbeitet seit zwölf Wochen als Praktikant beim Unternehmen Egger am Standort Vörden. Heute hat er seinen letzten Tag. »Er ist ein klasse Mensch«, sagt Peter Kupper, kaufmännischer Geschäftsführer bei Egger. Sowohl er als auch drei weitere Asylbewerber hätten sich in den Vorstellungsgesprächen wirklich gut verkauft, lobt er. Auch die Herzen seiner Kollegen, die anfangs schon skeptisch waren, hat er im Sturm erobert. Sein Deutsch und seine handwerklichen Fertigkeiten haben sich von Tag zu Tag verbessert. Fehlt jetzt nur noch eine ordentliche Ausbildung: Das ist der Knackpunkt.

 

Denn Moustapha hat keinen Schulabschluss. Für eine Ausbildung ist Hauptschulabschluss gefordert. Den kann er aber nicht nachholen – weder finanziell noch rechtlich. Denn mit 21 Jahren fällt er aus der Schulpflicht. »An den berufvorbereitenden Maßnahmen der VHS, in denen er den Hauptschulabschluss nachholen könnte, darf er mit seinem Flüchtlings-Status trotz guter Bleiberechtsperspektive auch nicht teilnehmen. Sie sind gesetzlich nur ein Angebot für schwache, deutschen Jugendliche«, erklärt Kursleiterin Angelika Struck von VHS. Dennoch: Sechs der 18 Praktikanten können beschäftigt werden.

Mohammed Mazen Maoula hat ein Praktikum im Toom-Markt in Brakel absolviert, das jetzt verlängert werden soll. Laut Marktleiterin Trischa Dittmann könnte er bald eine halbe Stelle bekommen.   Foto: Dennis Pape

Einer von ihnen ist der 29-jährige Mohammed Mazen Maoula aus Syrien, der in den vergangenen drei Monaten ein Praktikum im Toom-Markt in Brakel absolvieren konnte. »Ich bin sehr glücklich, dass ich arbeiten darf«, sagt er. Und auch Marktleiterin Trischa Dittmann attestiert ihm, besonders motiviert zu sein. Maoulas Praktikum soll zunächst verlängert werden, um weitere Formalitäten zu klären – anschließend bestünde die Möglichkeit auf eine halbe Stelle im Markt.

Gemeinsames Engagement (von links): Peter Kupper, kaufmännischer Geschäftsführer der Firma Egger, Angelika Struck und Ulrich Fraune (beide VHS)   Foto: Bögelein

Ausdrücklich loben möchten Angelika Struck und Ulrich Fraune, stellvertretender VHS-Leiter, die Unternehmen, die mit Praktikumsplätzen nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich in die Asylbewerber investierten: Egger (Vörden), Spier (Bergheim), Tischlerei Valentin (Höxter), Reitz (Stahle), Metallbau Bröttan (Lüchtringen), Toom-Baumarkt, Ford-Autohaus Sommer (beide Brakel) und Autohaus Cizme (Boffzen).

Ein neuer VHS-Kursus für »Integration durch Qualifizierung« läuft vom 17. Mai bis 5. August, weitere Folgen im Herbst. Infos bei der VHS Höxter-Marienmünster unter Telefon 0 52 71/9 63 43 03.

Zusätzliche Informationen